Gleichberechtigung.de · Treuhänderisch seit 1999
Bundespraesidentin.de verwalte ich seit 1999. Sie gehört der ersten Frau in diesem Amt — kostenlos, an dem Tag, an dem sie gewählt wird.
Ende der neunziger Jahre fiel mir auf, dass die Bundesregierung ihre Internetadressen nur in der männlichen Form gesichert hatte: Bundeskanzler.de, Bundespraesident.de. Die weiblichen Formen waren frei. Ich habe sie registriert — treuhänderisch, mit einem Versprechen: Übergabe an die erste Amtsträgerin, kostenlos.
Ein Jahr später fragte der Stern im Bundespräsidialamt nach. Die Antwort eines Sprechers, gedruckt am 10. Juni 1999:
„Man habe damals ehrlich nicht daran gedacht, daß auch eine Frau dieses Verfassungsamt übernehmen könnte." Bundespräsidialamt · Stern, 10.06.1999
Darum ging es. Nicht um die Adresse, sondern um diesen Satz.
Am 30. November 2005 habe ich Bundeskanzlerin.de an Ulrich Wilhelm übergeben, den Sprecher der ersten Bundeskanzlerin. Kostenlos, wie versprochen. Ein Kaufangebot einer Werbeagentur hatte ich Jahre zuvor abgelehnt.
Heute leitet Bundeskanzlerin.de auf die Seiten des Bundeskanzlers weiter. Das Wort selbst stand 2004 erstmals im Duden und wurde 2005 zum Wort des Jahres gewählt.
Die zweite Adresse wartet noch. 2008 und 2009 war sie im Gespräch, als Gesine Schwan kandidierte. Gewählt wurde jedes Mal ein Mann.
Im Februar 2027 tritt die Bundesversammlung erneut zusammen.
Das ist kein Geschäftsmodell. Es ist eine Erinnerung daran, dass Ämterbezeichnungen mitbestimmen, was für möglich gehalten wird.
Berichterstattung
Zum Nachlesen
Im Mai 2005, ein halbes Jahr vor der Wahl, hat der Spiegel die Sache knapper aufgeschrieben, als ich es hier kann. Der Artikel erklärt vor allem, warum die Adressen überhaupt frei waren: Kanzleramt und Präsidialamt hatten sich die weiblichen Formen nie gesichert. Er hält außerdem fest, dass es vor der Wahl 2002 ein Kaufangebot gab und dass ich es abgelehnt habe — „Ich will keine Geschäfte damit machen." Und er nennt Gleichberechtigung.de schon damals im selben Atemzug.
Spiegel Online · 24. Mai 2005 Frauenförderung: Berliner verschenkt Bundeskanzlerin.de Im Spiegel-Archiv lesen →